Mittwoch, 24. März 2010

Die kleine Schraube





Die kleine Schraube


Es gab einmal in einem riesigen Schiff eine ganz kleine Schraube, die mit vielen anderen ebenso kleinen Schrauben zwei große Stahlplatten miteinander verband. Diese kleine Schraube fing an, bei der Fahrt mitten im Indischen Ozean, etwas lockerer zu werden und drohte heraus zu fallen.

Da sagten die nächsten Schrauben zu ihr: “Wenn du heraus fällst, dann gehen wir auch. Und die Nägel unten am Schiffskörper sagten: „Uns wird es auch zu eng, wir lockern uns auch ein wenig.“ Als die großen eisernen Rippen das hörten, da riefen sie: „Um Gottes Willen bleibt; denn wenn ihr nicht mehr haltet, dann ist es um uns geschehen!“

Und das Gerücht von dem Vorhaben der kleinen Schraube verbreitete sich blitzschnell durch den ganzen Körper des Schiffes. Er ächzte und erbebte in allen Fugen. Da beschlossen sämtliche Rippen und Platten und Schrauben und auch die kleinsten Nägel, eine gemeinsame Botschaft an die kleine Schraube zu senden, sie möchte doch bleiben; denn sonst würde das ganze Schiff bersten und keiner von ihnen die Heimat erreichen.

Das schmeichelte dem Stolz der kleinen Schraube, dass ihr solch ungeheure Bedeutung beigemessen wurde, und sie ließ sagen, sie wolle sitzen und bleiben.

(Rudyard Kipling)



Diese kleine Geschichte soll und zum Nachdenken anregen. Jedes kleinste „Schräubchen“ im Weltgefüge wird gebraucht und jedes hat eine Funktion. Es ist einfach wichtig. Gemeinsam, im Zusammenhalt mit den anderen ist man stark.
Niemand, auch wenn er meint, er sei der Größe und Beste, kann ohne die „Kleinen“ etwas zustande bringen.
Was wäre der Architekt, wenn es den Bauarbeiter nicht gäbe. Er könnte das Haus oder den riesigen Turm niemals bauen – er hat die Pläne gemacht, aber dass es dieses Haus oder diesen Turm einmal real gibt, dafür sind die unzähligen Handwerker notwendig, jeder, auch der, der scheinbar die kleinste Arbeit verrichtet, ist einfach WICHTIG!
Es wäre schön, wenn mancher daran denken würde, wenn er sich anmaßt auf andere arrogant runterzublicken!
Jeder braucht jeden!

Einen lieben Gruß schickt Euch von Herzen

Renate

Kommentare:

Ingja (Blueswoman) hat gesagt…

Liebe Renate, diese Geschichte gefällt mir sehr gut und es wäre schön, wenn es so tatsächlich in der Realität aussehen würde. Leider ist das aber nicht der Fall. Das stellt man schon am Arbeitsplatz fest. Jeder ist ersetzbar. In der Liebe, wenn eine Beziehung zu Ende geht, man glaubt es geht nicht mehr weiter, ja, auch da stellt man fest, es geht weiter und wird wieder schön. Wir leben in einer Ellbogengesellschaft. Wenn nämlich mal so ein Mitglied in unserer Gesellschaft nicht so funktioniert, wie die Gesellschaft das will, dann wird dieser Mensch verstoßen, wenn nicht sogar elemeniert. Die Sätze von Dir... wenn der Architekt einen Turm baut, geht es nicht ohne die Bauarbeiter. Ja, das stimmt. Wenn aber der Turm fertig ist, dann heißt es so schön... "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, er kann gehen". Der Architekt kassiert nicht nur den meisten Lohn, auch den Ruhm.

Aber man sollte alles positiv sehen :-).

Man kann ja träumen, das bringt Hoffnung. :-)

Liebe Grüsse
:-)

Neckarstrand hat gesagt…

Liebe Renate - diese Geschchte hat schon einige Jahre auf dem Buckel und ist heute wichtiger denn je. Diese Fabel sollten sich alle zu eigen machen - von ganz oben bis ganz unten.
Alle können helfen, die Welt etwas besser zu machen. Jedes noch so kleine Zahnrädchen hat seine Bestimmung - so auch wir.
Sei lieb gegrüßt von
Irmi

Irmgard hat gesagt…

Liebe Renate,
das ist eine schöne Geschichte, die ich noch nicht kannte. Ich finde, auch wenn sich "die da oben" nicht an solche Geschichten halten, sollten wir sie selber verinnerlichen, um uns zu vergegenwärtigen, wie wertvoll wir sind. Nur wenn wir uns selber wert schätzen, wie wichtig wir sind, und wenn es nur in unserem direkten Umfeld ist, geht es uns gut. Und wir sind ja nicht nur wichtig für unser persönliches Umfeld. Es gibt ja auch diesen Film mit James Stewart. Ich habe grade nachgesehen bei Google, er heißt "Ist das Leben nicht schön?" (nachzulesen bei Wikipedia). Dort wird einem Mann gezeigt, wie das Leben seiner Mitmenschen verlaufen wäre, wenn es ihn nicht gegeben hätte.
Wir bedenken oft nicht, wie weite Kreise unser Handeln ziehen kann.
Danke für diese Geschichte!
Liebe Grüße, Irmgard

Lemmie hat gesagt…

Liebe Renate!

Als ich noch zur Arbeit ging, war ich auch eine der kleinen Schrauben im Gefüge. Es hat lange Zeit gedauert, bis ich das Gefühl überwand, nicht mehr dazu zu gehören. Das war für mich das Schlimmste am Pensionistendasein.
Aber jetzt fühle ich mich in meinem derzeitigen Zustand sehr wohl. So lang ich für meine Familie noch eine wichtige kleine Schraube bin, ist mein Leben in Ordnung.

Danke für diese Geschichte
Poldi

p.S.: Den Film "Ist das Leben nicht schön" spielen sie jedes Jahr zu Weihnachten. Ich sehe ihn mir immer wieder gerne an.