Eine Amsel singt ihr Morgenlied,
es klingt nach Frühling und nach Freude,
ich bin hellwach, gar nicht mehr müd’
und ziehe meine Bluse an aus Seide.
Ich frage mich, was kann es sein,
dass ich so fit bin heut’ und froh?
Im Blumenladen kauf ich ein
gelbe Primeln für’s Büro.
Die Arbeit macht mir heut’ Vergnügen,
alles bestens, es läuft wie geschmiert,
nichts, rein gar nichts bleibt heut’ liegen,
mein Tatendrang sich nicht verliert.
Frau Schulze, die von nebenan,
grüßt so freundlich, wie sonst kaum -
Was hat ihr nur so gut getan?
Hatte sie einen schönen Traum?
Herr Müller mit dem schlechten Knie
überholt mich heute auf dem Flur,
so schnell sah ich den Müller nie,
was ist bloß los, was ist das nur?
Der alte Herr vom Nachbarhaus
pfeift fröhlich lachend vor sich hin,
er geht mit seinem Dackel aus,
der hat nur Unfug heut’ im Sinn!
Feierabend, schnell zum Bus!
Du liebe Güte, ist der voll!
Bin beladen zum Verdruss,
weiß nicht, wo ich sitzen soll.
Ein Junge steht da vor mir auf,
wippt zur Musik, die ich nicht hör’,
er ist sichtlich sehr gut drauf!
„Setzen sie sich, bitte sehr!“
was mir geschieht, ich glaub’ es kaum -
Frühling wird’s halt immer wieder.
Lang halte an der Frühlingstraum!
Die Sonne geht nun langsam unter,
ich denke über alles nach,
ich bin so fit, ich bin so munter,
Frühling macht die Herzen wach!
© Renate Harig - 2000
Dieses Gedicht habe ich vor vielen Jahren, als ich noch ins Büro ging, geschrieben. Heute habe ich es wieder entdeckt und jener Tag - ein Frühlingstag - ist mir noch in sehr guter Erinnerung. Es war alles so, wie ich es beschrieben hatte. Die Menschen, die mir an diesem Tag begegnet sind, haben wohl alle intensive Frühlingsgefühle gehabt.
So könnte es öfters sein - nicht nur im Frühling!
Ich wünsche Euch auch Frühlingsgefühle und eine gute Zeit!
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